Das Languedoc - Okzitanien - war noch im Mittelalter ein freies Land. Unter den Grafen von Toulouse hatten die Bürger eine weitgehende Autonomie in Justiz und Handel. Die Frauen waren im Gegensatz zum übrigen Europa dort erbberechtigt, durften Ländereien besitzen und frei ihre Meinung äußern. Doch viele der Einwohner hatten sich von der Kirche Roms losgesagt und hingen der christlichen Sekte der Katharer an, die sich am Urchristentum orientierten. Sie lehrten, dass Gott die reine Liebe ist, lehnten die Autorität des Papstes sowie die Sakramente ab und zahlten folglich auch keinen Zehnt mehr... Im beginnenden 13. Jahrhundert erregte Okzitanien somit den Unwillen der Herrschenden Europas. Das Land war größer als der Besitz der französischen Krone. Aufgrund der Glaubensansichten der Okzitanen herrschte ein Geist echter Toleranz und jeder war willkommen in diesem Land der Freiheit. Doch größere Freiheit bedeutet größeren Wohlstand...
In der Frühzeit der Katharerbewegung gab es nur wenige Burgen im Pays Cathare. Die Anhänger der Bewegung lebten im Schutz der Städte oder in wehrhaften Höhensiedlungen, die sich manchmal im Schutz der Burg eines mit der Bewegung sympathisierenden Lokalfürsten befanden und meist von Gräben und/oder Steinmauern umschlossen waren – steinerne Türme gab es in den castra nicht.

1208 schickte Rom Missionare in das Land des Grafen von Toulouse. Okzitanien sollte spirituell wiedererobert werden. Doch der Legat des Papstes wurde auf mysteriöse Weise ermordet und Graf Raymond VI. bezichtigt, diesen Mord in Auftrag gegeben zu haben. Der Graf wurde exkommuniziert, geächtet, gebannt und ihm drohte die Konfiszierung seiner Ländereien...

Dann rief Papst Innozenz III. Europa zum Kreuzzug gegen das Land der Ketzer auf. 20.000 Ritter und 200.000 Fußsoldaten starteten einen Krieg der Vernichtung... Die Katharer wurden im Zuge des Albigenserkreuzzugs und weiterer Feldzüge sowie durch die Inquisition als Häretiker verfolgt und vernichtet.

Viele Katharer fanden Zuflucht in den Burgen die man heute als "château du Pays Cathare" kennt.

Aguilar

Die Ruinen der Burg Aguilar stehen auf einem Felshügel inmitten des prestigeträchtigen Weinbaugebiets des Haut Fitou und der Garrigue. Der älteste Teil ist die hohe Ringmauer, die an der Angriffseite spitz zuläuft. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert.

Im 12. Jahrhundert gehört die Burg den Lehnsherren von Termes. Beim Kreuzzug gegen die Katharer wird sie 1210 von Simon de Montfort besetzt. König Ludwig IX. besetzt sie 1246 mit einer Garnison.

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wird sie von den königlichen Ingenieuren umgestaltet. Sie zählt zu den „fünf Söhnen von Carcassonne“, die die Grenze zum Königreich Aragon bewachten. Nach mehreren spanischen Angriffen im 14. Jahrhundert wird sie 1569 endgültig aufgegeben.

Arques

Das 50 km südlich von Carcassonne gelegene Arques ist ein friedlicher, von Wäldern umgebener Ort an einem See. Einige hundert Meter westlich des Ortes erheben sich auf einem Hügel die goldfarbenen Steine der Burg Arques.

Dieses Bauwerk aus dem 13. und 14. Jahrhundert wird von einem eleganten, 25 m hohen Donjon beherrscht und ist ein Meisterwerk der gotischen Architektur, das Luxus und militärische Aspekte vereint. Es wurde vollständig restauriert, bleibt Zeichen des technischen und künstlerischen Könnens der mittelalterlichen Baumeister und zeugt von Geschmack und Reichtum der Besitzer.

Der Besuch geht im Ortskern von Arques im Museum der Katharer-Bewegung Maison Déodat Roché weiter.

Die 4 Burgen von Lastours

Lastours ist mit seinen vier Burgen auf einem Felsvorsprung ein außergewöhnlicher Ort in der Montagne Noire. Cabaret (die imposanteste Burg), Surdespine, Quertinheux und Tour Régine stehen hoch über den Wasserläufen der Flüsse Orbiel und Grézilhou, die tief im Tal eingeschlossen sind.

Der Zugang zum „Berg der Burgen“ erfolgt mitten im Dorf Lastours über die ehemalige Tuchweberei Rabier. Hier befinden sich heute der Eintrittskartenverkauf, eine Dauerausstellung und ein Restaurant.
Man kann die Burgen auch vom Belvédère de Montfermier aus erkunden, das einen herrlichen Ausblick über den Ort und seine Umgebung bietet.

Die vier Burgen von Lastours sind zur Zeit des Kreuzzugs gegen die Albigenser von größter Bedeutung, denn sie kontrollieren den Zugang zur Montagne Noire. Zur Zeit der Katharer-Bewegung war der Lehnsherr Pierre Roger von Cabaret offenbar sehr mit den Anhängern dieser neuen Religion verbunden und ab 1209 den Angriffen der Kreuzfahrer ausgesetzt.

Peyrepertuse

Peyrepertuse liegt auf einem herrlichen Felsvorsprung im Süden der Corbières. Die Fläche dieser riesigen Festungsanlage entspricht der der Cité de Carcassonne. Das Ausmaß der Überreste der Anlage und die Qualität ihrer Konstruktionen machen aus dieser Burg den wichtigsten Komplex und das bemerkenswerteste Beispiel für die mittelalterliche Architektur im Languedoc.

Die auf einem Gebirgskamm über einer schwindelerregenden Steilwand errichtete Burg umfasst drei Ringmauern mit einer Länge von mehr als 300 m, die mit ihren Festungsmauern mehr als einen Hektar Gebäude umschließen, nämlich Unterkunftsgebäude, Kapellen und Garnisonsräume.

Jedes Jahr findet hier das wichtigste mittelalterliche Fest in Südfrankreich statt, und zahlreiche Truppen beleben die Burg und ein nachgebautes mittelalterliches Dorf.

Peyrepertuse wird 1240 zur französischen Festung, Ludwig IX. macht aus ihr eine gefürchtete Bastion der südlichen Grenze des französischen Königreichs. Diese riesige Festungsanlage war Teil der „Fünf Söhne von Carcassonne“.

Puilaurens

Die Burg Puilaurens, ein strategischer Standort par excellence, erhebt sich in fast 700 m Höhe auf einer Felsspitze oberhalb des Orts Lapradelle inmitten eines Tannenwaldes.

Sie besteht aus zwei verschiedenen architektonischen Komplexen. Die erste Ringmauer beherbergt den Donjon und einen Turm mit dem Namen „Turm der weißen Dame“. Am Ende einer steinigen Allee gelangt man zu den ersten Verteidigungselementen der Katharerburg, nämlich zu einer Vorrichtung und einem Durchlass, der bei einem Angriff den Zugang zur Burg erschwerte.

Die Burg beherbergte zahlreiche Persönlichkeiten der Katharer, die im Verborgenen lebten. Puilaurens war vier Jahrhunderte lang die südlichste Festung Frankreichs. Sie versperrte den Zugang nach Fenouillèdes und war einer der „Fünf Söhne von Carcassonne“.

Puivert

Die Burg Puivert im Landstrich Quercorb des Départements Aude gehört mit Sicherheit zu den am besten erhaltenen Bauwerken der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Puivert verströmt einen Eindruck von Gelassenheit, hier ist alles Harmonie, ruhige Kraft und Anmut. Der beeindruckende Donjon hat 5 Stockwerke und eine Höhe von 32 Metern, er ist in der ganzen Region zu sehen und birgt mehrere Gewölbe.
Die Skulpturen in der Halle der Musiker zeugen davon, wie fein das Dekor der Burg herausgearbeitet wurde: Der Legende nach fanden hier im 12. Jahrhundert Treffen von Troubadouren statt. Im 12. Jahrhundert schützen die Lehnsherren von Puivert die Katharer-Bewegung. 1210 wird die Burg von Simon de Montfort erobert.

Im Ort Puivert befindet sich das Musée du Quercorb mit Instrumenten der mittelalterlichen Musik.

Quéribus

Diese alte königliche Festung und einer der „Fünf Söhne von Carcassonne“ erhebt sich auf einer imposanten Felsspitze. Zur Zeit des Kreuzzugs gegen die Albigenser beherbergt die Burg unter Chabert de Barbaira zahlreiche verfolgte Katharer. 1255 fällt diese letzte Bastion des südfranzösischen Widerstands 11 Jahre nach Montségur an die Kreuzritter.

Berühmt ist die Burg durch ihren polygonalen Donjon und den Saal im gotischen Stil, dessen Gewölbe auf einem Rundpfeiler in Palmenform ruht.

Vom Donjon aus in 728 Metern Höhe hat man eine grandiose Aussicht auf die Pyrenäen, das Mittelmeer, die Ebene des Roussillon und die Corbières.

Die Burg Quéribus liegt unmittelbar neben der Ortschaft Cucugnan, bekannt durch „Die Predigt des Pfarrers von Cucugnan“ von Alphonse Daudet. Diese Erzählung wird im Theater Achille Mir im Ort aufgeführt.

Saissac

Inmitten der Montagne Noire nordwestlich von Carcassonne erhebt sich die Burg Saissac vor einer außergewöhnlichen Landschaft, die am Horizont von den Pyrenäen begrenzt wird.

Im Mittelalter werden Saissac und die ganze Montagne Noire von mächtigen Lehnsherren beherrscht. Sie schützen Troubadoure und sind auch gläubige Katharer. Es sind die großen Vasallen der Vizegrafen von Carcassonne, die sie in ihrem Kampf beim berühmten Albigenser-Kreuzzug unterstützen.

Die unterhalb des Ortes gelegene Burganlage befindet sich am Rand einer schwindelerregenden Schlucht. Die Ruinen des Donjons erheben sich noch stolz in der Mitte der Festung. Zwei restaurierte Säle beherbergen ein Museum zum Schatz von Saissac, der aus 2 000 Deniers aus dem 13. Jahrhundert besteht.

Termes

In den Hautes Corbières schmiegt sich das Dorf Termes malerisch an die Flanken eines Hügels. Es steht immer noch unter dem Schutz seiner Burgruine, die es auf der Spitze einer felsigen Böschung überragt, einem geschützten, absolut grandiosen Ort, der darüber hinaus einen einmaligen Blick über die gesamte Region bietet.  

Wer kann sich heute noch vorstellen, dass diese Überreste diejenigen einer der größten mittelalterlichen Herrschaften des Languedoc sind... 1210 während dem Albigenser-Kreuzzug hält die Festung vier Monate lang der Belagerung der Kreuzritter unter Simon de Montfort stand.

Dieser als uneinnehmbar geltende Adlerhorst wird zur königlichen Festung und nimmt durch seine Lage an der Grenze zum Königreich Aragon eine wichtige strategische Stellung ein. Die Burg war eine der „Fünf Söhne von Carcassonne“.

Villerouge-Termenès

Südlich von Carcassonne und Narbonne bildet Villerouge-Termenès das Mittelmeer-Tor der Hautes Corbières. Die mitten im mittelalterlichen Ort gelegene, imposante rechteckige Burganlage mit vier Türmen flößt Respekt ein.

Im Ostflügel befindet sich eine sehr originelle audiovisuelle Führung: „Die Welt des Guilhem Belibaste, letzter Vollkommener der Katharer“. Die Führung taucht Sie direkt ins Mittelalter ein: Die sich kreuzenden Schicksale von Belibaste (der 1321 in Villerouge bei lebendigem Leib verbrannt wurde) und des Erzbischofs von Narbonne, Bernard de Farges (Lehnsherr), erinnern an die Katharer-Bewegung, die Macht des Erzbistums von Narbonne und den Alltag im 14. Jahrhundert.  

Um diese Reise durch die Geschichte fortzusetzen, können Sie das Restaurant Rôtisserie Médiévale in der Burg besuchen. Durch seine Einrichtung und sein historisch nachgebildetes Geschirr, seine aus dem Mittelalter übersetzten und speziell für Villerouge von den größten Fachleuten rekonstruierten Rezepte ist es in Europa einmalig.